«Menschen, die 1960 ins Kloster eingetreten sind, lebten in einer anderen Welt und hatten wahrscheinlich andere Erwartungen und Vorstellungen zum Klosterleben als Menschen, die im Jahr 2026 eintreten oder im Jahr 2030 eintreten werden», so Abt Vigeli Monn, der für die Benediktinerabtei Kloster Disentis teilnahm. In Workshops bauten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam an einem «idealen» Kloster.
Einen breiten Raum nahm auch die Bedeutung der Liturgie im Kloster aus unterschiedlichen Perspektiven ein. «Die Perspektive der Mönchsgemeinschaft ist die eine Seite», so Abt Vigeli. «Aber wie empfinden Gäste die Feier, welche Rolle nehmen sie ein?»
Die gemeinsamen Arbeiten sollen auf das anstehende Jubiläum unter dem Motto «Orte der Hoffnung seit 529» hinführen. Dazu sollen «das Gestern, Heute und Morgen in Dankbarkeit, kritischer Reflexion gefeiert werden», so der Wunsch der Verantwortlichen. Zentraler Punkt dabei ist natürlich immer die Zukunft. «Wir müssen eine Vision haben, wie sich unsere Klöster in die Zukunft führen lassen», so Abt Vigeli.
An der Tagung nahmen auch Abtprimas Jeremias Schröder und der Rektor der Hochschule in Sant'Anselmo, Prof. Pater Jákó Örs Fehérváry, teil. Ausserdem besuchte Georg Bätzing, Bischof von Limburg, und von 2020 bis 2026 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, die Konferenz und begrüsste nach der gemeinsam gefeierten Messe am Dienstag die Gäste.
Im Rahmen des Ausflugsprogramms zur SÄK besuchten die Klosteroberen den Limburger Dom, seit 1827 die Kathedralkirche des Bistums Limburg oberhalb der Altstadt von Limburg an der Lahn.
In seinem Bericht fasst Abt Theodor Hausmann von der Benediktinerabtei St. Stephan in Augsburg, Präsident der Salzburger Äbtekonferenz, die Tagung nochmals offiziell zusammen:
Wie heute ein Kloster gründen? - Ostertagung der Salzburger Äbtekonferenz 2026
Die Salzburger Äbtekonferenz, Äbte und Prioren der Benediktinerklöster in Deutschland, Österreich und der Schweiz tagte in der Osterwoche im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden. Abtprimas Jeremias Schröder aus Rom berichtete über die weltweiten Entwicklungen der benediktinischen Gemeinschaften. Zu einem angeregten Austausch führten die Informationen zu den Überlegungen und Planungen für das Jubiläum der Gründung der Abtei Montecassino. In seiner Begleitung war auch der Rektor der Hochschule, Pater Jákó Fehérváry OSB, der aktuell über die Hochschule von Sant’Anselmo in Rom informierte. Interessierte können sich unter osb.org/de/casa/nexus-bulletin/ mit Neuigkeiten aus der benediktinischen Welt vertraut machen.
Die Schwestern des Vorstands der Vereinigung der Benediktinerinnen im deutschen Sprachraum und die Äbtissinnen der Abteien St. Hildegard in Eibingen und Engelthal beteiligten sich am regen Austausch des Studientages unter dem Thema «Orte der Hoffnung seit 529». Derzeit bereiten sich die Benediktinerinnen und Benediktiner darauf vor, die Gründung ihres bekanntesten Klosters, der Abtei Montecassino vor 1500 Jahren zu feiern. Deshalb stellte sich die Tagung in Gruppengesprächen und kreativer Arbeit der Frage «Wie würde Benedikt heute ein Kloster gründen?»: Wie kann heute und in Zukunft gebetet und Gottesdienst gefeiert werden? Was prägt geistig und kulturell die Menschen, die heute schon in unseren Klöstern leben, und sich in den nächsten Jahren für dieses Leben entscheiden? Was brauchen wir heute und in Zukunft als Lebensraum für unsere Klöster?
Die abschliessende Runde führte die Vielfalt der Lebensumstände unserer Gemeinschaften im deutschen Sprachraum vor Augen. Sie spornte an, aufmerksam die Prägungen derer in den Blick zu nehmen, die schon in unseren Klöstern leben und die sich für diese Lebensweise interessieren. Sie eröffnete neue Perspektiven, die Räume nicht nur in ihrem historischen Kontext oder auf ihre Nutzbarkeit hin zu betrachten, sondern als «Denk-mal» entdecken zu lernen, als Hilfen für ein Leben, das Wachsen und Zusammenwachsen ermöglicht.
Deutlich wurde auch, dass unsere Klöster als Orte der Hoffnung auf Ruhe, Stille und Versöhnung gefragt sind und dies auch mit kleineren Zahlen fester Mitglieder der Gemeinschaften in Gebet und Gottesdienst möglich sei. Es gehe nicht nur um die Fragen: Was können wir nicht mehr? Was können wir noch?, sondern vor allem, zu überlegen und auszutauschen: Was können wir erst jetzt?
Der frühlingshafte Charme des Rheingaus, ein morgendlicher Besuch des Ortsbischofs Dr. Georg Bätzing bei der Tagung mit Eucharistiefeier und offenem Gespräch sowie ein Ausflug nach Limburg/Lahn mit Führungen durch Dom und Diözesanmuseum sowie dem Abendlob der Vesper im Limburger Dom beeindruckten und unterstützten eine heitere und gelöste Stimmung in dieser Osterwoche.
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