Hier der Bericht von Bruder Gerold Schefer:
«Ganz zu Beginn konnten wir unsere Fragen stellen und dadurch mitbestimmen, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen. Deshalb wurde auch ausführlich über Missbrauch und Internetsucht gesprochen. Von Anfang an war es Professor Jacobs wichtig, uns Zeit zu geben, über das Gehörte nachzudenken, so dass wir uns immer wieder in Kleingruppen austauschten.
Ebenfalls sehr zentral war die Vorstellung, dass man über Sexualität nicht nur im engeren Sinne reden, sondern stets den ganzen Menschen im Blick haben soll, da das eigentliche Problem häufig woanders liegt, beispielsweise bei Stress oder Einsamkeit. Um besser mit schwierigen Situationen umgehen zu können, ist es hilfreich, eine möglichst breite Palette an Tätigkeiten zu besitzen, die wenig oder gar nichts kosten und die einem Freude bereiten. Damit man auch tatsächlich Zeit dafür findet, soll man solche Aktivitäten planen.
Weiter lernten wir, welche Region des Gehirns bzw. welche Hormone wofür zuständig sind, und dass der Verstand buchstäblich am kürzeren Hebel sitzt, wenn es um instinktive Reaktionen geht. Ganz anders – nämlich durch das Studieren der entsprechenden Artikel im Lexikon für Theologie und Kirche – setzten wir uns mit Ehelosigkeit, Jungfräulichkeit und Keuschheit auseinander. Wir erfuhren, dass der Zölibat zwar nicht notwendig, aber angemessen ist, und dass er nicht in Kauf genommen werden sollte, sondern ein donum, ein Geschenk, ist, welches anzunehmen wir eingeladen sind.
Der zentrale Begriff, auf den letztlich alles zielte, war die Selbststeuerung: Die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit, Emotionen, Impulse und Handlungen zu steuern. Der Referent benutzte das Bild eines Busses, in dem Emotionen und Impulse sitzen. Es geht nicht um Kontrolle, also nicht darum, jemanden rauszuschmeissen. Vielmehr ist das Ziel, das Steuer selbst in der Hand zu haben und unseren inneren Regungen nicht einfach ausgeliefert zu sein.
Um Selbststeuerung zu üben, bedarf es guter Ziele, die mit etwas Anstrengung machbar sind. Ist die Aufgabe zu anspruchsvoll, besteht die Gefahr, es gar nicht erst zu versuchen. Zu scheitern ist schon besser.
Natürlich gab es auch Raum für informellen Austausch und Gelegenheit, miteinander zu spielen. Das breite Angebot – das wir gerne nutzten – beinhaltete unter anderem Tischtennis, Darts, Billard, Tischfussball und Jassen mit Karten, auf welchen statt der klassischen Unter, Ober und König Schweizer Heilige dargestellt sind.
Das Programm gestattete es auch, dass viele von uns zusammen mit einer grossen Schar von Ingenbohlerschwestern das Filmerlebnis LUMEUM besuchen konnten; eine Show auf vier Wänden, die uns durch Musik und zum Leben erweckte Ölgemälde in Dorothees und Bruder Klaus' Leben eintauchen liess.
Am Donnerstag fuhren wir ins benachbarte Melchtal, wo wir in der Wallfahrtskirche die Mittagshore beteten und anschliessend gemütlich ins Flüeli spazierten. Dort hatten wir etwas Zeit, uns eine Glace zu kaufen oder die Häuser anzuschauen, in welchen der heilige Bruder Klaus geboren wurde bzw. in dem er mit seiner Familie lebte. Das Picknick nahmen wir im Bachbett der Melchaa zu uns und kühlten unsere Füsse ab. Die jüngeren Mitbrüder konnten der Versuchung nicht widerstehen, einander anzuspritzen oder das Wasser umzuleiten.
Aus organisatorischen Gründen hatten wir leider nicht viel Gelegenheit, gemeinsam mit den Gemeinschaften vor Ort zu beten. Die Ausnahme bildete die tägliche Komplet mit den Dominikanerinnen. Dennoch fühlten wir uns sehr wohl.»


