Bruder Benedikt, wie verläuft die Vorbereitung auf die ewige Profess?
«Zuerst war viel an Administrativem zu erledigen. Einladungen waren zu versenden, Reservationen entgegenzunehmen, es war einiges zu planen. Die eigentliche und meine persönliche Vorbereitung beginnt dann aber so richtig intensiv eine Woche vor der Feier. Dann ziehe ich mich für eine Woche für Schweigeexerzitien zurück. Diese Woche verbringe ich im Gebet und im Schweigen. Dabei schaue ich zurück auf die bisherigen vier Jahre im Kloster und möchte mein kommendes klösterliches Leben dem Segen Gottes anempfehlen.»
Wie war Deine Zeit bisher im Kloster Disentis?
«Es war in verschiedenen Belangen eine sehr intensive Zeit. Ich durfte vieles lernen und langsam, aber sicher in meine Berufung als Benediktinermönch hineinwachsen. Arbeit und Gebet, die beiden Grundpfeiler des benediktinischen Lebens, waren auch für mich die Pole, zwischen denen sich mein Leben hauptsächlich abspielte. Zunächst musste ich mich ein wenig an den klösterlichen Rhythmus gewöhnen. Später, während meiner zeitlichen Profess, kam dann als neues Kapitel die Lehrerausbildung in Fribourg hinzu, welche wiederum ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich brachte. Insgesamt überwogen aber die schönen Momente. Bei meinen Mitbrüdern fand ich immer ein offenes Ohr bei Fragen oder Schwierigkeiten und das Gefühl, in Disentis zuhause zu sein, wuchs beständig.»
Worauf freust Du Dich im Blick auf die ewige Profess besonders?
«Zunächst freue ich mich sehr auf die Feier. Ich habe Menschen eingeladen, die ich zum Teil Jahre nicht mehr gesehen habe, die aber auf einer bestimmten Etappe meines Berufungsweges sehr wichtig waren. Mich mit ihnen auszutauschen, wird sicher ein Highlight werden. Über die eigentliche Feier hinaus freue ich mich vor allem darüber, dass mein Berufungsweg einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Ich darf mein künftiges Leben in der Benediktinergemeinschaft von Disentis verbringen. Die Berufung dazu verspüre ich schon lange. Dass diese Berufung nun lebenslange Realität werden darf, ist wunderschön.»
Was ändert sich für Dich und deine Rolle konkret mit der Ewigen Profess?
«Ab der ewigen Profess gehöre ich ganz offiziell zum Kloster Disentis. Am offensichtlichsten zeigt sich das daran, dass ich ab dann an den Kapiteln teilnehmen und abstimmen darf. Im Kapitel werden bedeutende Entscheidungen, die das ganze Kloster betreffen, besprochen und zur Abstimmung gebracht. Ausserdem ist für mich ab der ewigen Profess auch die Ausbildungszeit offiziell vorbei und ich übernehme eine feste Aufgabe. Bei mir wird das vor allem der Dienst an der Pforte und ab August ein kleines Pensum als Religionslehrer an unserem Gymnasium sein. Eine dritte, weniger bedeutende, dafür aber sichtbare Änderung ist der sogenannte Flock, den ich tragen darf. An besonderen Festen tragen die Mönche mit ewiger Profess während den Gebetszeiten einen feierlichen Mantel, den wir Flock nennen.»
Welche Bedeutung hat die ewige Profess in Deinem Leben als Mönch?
«Vielleicht könnte man die ewige Profess mit der Hochzeit vergleichen. Die viereinhalbjährige Probezeit ist nun zu Ende und ich verspreche, ein Leben lang meinen Gelübden in der Benediktinergemeinschaft Disentis treu zu bleiben. Die drei Gelübde, die ich ablege, sind die stabilitas (Beständigkeit in der Gemeinschaft und am Ort), die conversatio morum (klösterlicher Lebenswandel, Leben nach der Regel des Hl. Benedikt) und die oboedientia (Gehorsam gegenüber meinen Oberen, aber auch meinen Mitbrüdern gegenüber).»
Bruder Benedikt Meier wird am 22. April 1989 als ältestes von zwei Geschwistern in Zürich geboren. Mit Mirjam bekommt er zweieinhalb Jahre später noch eine Schwester. Den grössten Teil seiner Kindheit verbringt er in Altendorf (SZ).
Nach der Matura in der Stiftsschule Einsiedeln, die er mit dem Schwerpunktfach Altgriechisch abschliesst, studiert er zunächst Informationswissenschaft an der HTW Chur und dann Theologie in Chur und Lugano. Von 2011 bis 2015 ist er Priesteramtskandidat am Priesterseminar in Chur und 2016 erstmals als Novize im Kloster Disentis.
Nach fünf Jahren Unterbruch tritt er am 12. Mai 2022, dem Namenstag von Abt Pankraz Winiker, wieder ins Kloster ein. Am 15. August 2022 nimmt Michael Meier, wie er mit seinem bürgerlichen Namen hiess, im Rahmen der Einfachen Profess den Ordensnamen Bruder Benedikt Meier an.


