Vertiefung mit der Jugend im Kloster: die Taufkatechesen in der Frühkirche

Um die Taufkatechesen in der Frühkirche ging es im Rahmen des Vertiefungswochenendes für junge Menschen im Kloster Disentis. Als Gastreferent war diesmal Professor Gregor Emmenegger von der Universität Freiburg dabei, der in den vergangenen 20 Jahren eine umfangreiche Online-Bibliothek der Kirchenväter aufgebaut hat, um Texte frühkirchlicher Autoren für alle zugänglich zu machen.

Vom Vertiefungswochenende des Klosters berichtet Bruder Laurentius Sauterel:

«Mit 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der gesamten Schweiz gab es zum Frühjahrs-Vertiefungswochenende eine besonders gemischte und interessante Gruppe. Es waren etwa gleich viel Romands wie Deutschschweizer im Alter von 18 bis 35 Jahren. Manche sind mit dem Glauben aufgewachsen, andere neu dazugekommen, manche Teilnehmer wurden gerade in den vergangenen zwei Jahren oder Monaten getauft. Und dieses Thema stand auch im Mittelpunkt: die Taufkatechesen in der Frühkirche.

Gemeinsam mit Professor Gregor Emmenegger haben wir uns die Bedeutung der Taufe in der Frühkirche angeschaut, die als Grundlage für das Mönchtum und für die Gründung jeglicher Gemeinschaft von Gläubigen gilt, insbesondere der Adoray-Jugendgebetsgruppen, mit welchen wir diese Jugendtreffen organisieren. Im frühen Christentum bedeutete nämlich die Conversio gleichzeitig Bekehrung und Berufung. Nach der Taufe vervollständigt jeder Gläubige seine Berufung in der Kirche. Als Antonius († 356), der Vater des Mönchtums, in die Wüste geht, vervollständigt er seine Berufung als Getaufter genauso, wie andere ihre Berufung als Getaufte als Mutter vervollständigen. Dazu gehört Monika († 387), die Mutter des Augustinus († 430), die eine Schlüsselrolle auf dem Glaubensweg ihres Sohnes gespielt hat, ebenso wie die Bischöfe Basilius, Augustinus und zahlreiche Kirchenväter.

Weil also die Taufe die Bekehrung und die Berufung beinhaltet, haben wir uns die frühen Mönchsregeln als Beispiele der Lebensführung eines Getauften angeschaut: Die Regel des Pachomius († 346) hat zum Ziel, das Mönchtum im Stil der römischen Armee zu ordnen: Die Kaserne wird zur Klausur, die Uniform wird zum Habit und es werden feste Versammlungszeiten für Gebet und Essen festgelegt. Basilius († 379) will das Mönchtum in der Stadt bringen, im Dienst an den Armen und Kranken. Mit seiner Lebensregel gründet er die ersten Spitäler der Geschichte. Der Schwerpunkt der Regel des Augustinus liegt hingegen in einer guten theologischen Bildung, um den Glauben vom Kloster aus zu verkünden.

Die Regel Benedikts († 547) übernimmt Züge dieser früheren Mönchsregeln und schafft eine sehr ausgewogene Grundlage für das Mönchtum, die den Vorteil hat, in ganz vielen Situationen und Epochen immer anwendbar zu sein, weil sie eben nicht alles bestimmt, sondern Spielraum für die Anpassung ihrer Grundzüge an geographische und soziale Umstände gibt.

Pater Bruno Rieder gab uns einen aufschlussreichen Vortrag über das vierte Kapitel der Benediktsregel als Taufunterweisung, insbesondere die Verse 20 und 21: «Sich dem Treiben der Welt entziehen; Der Liebe Christi nichts vorziehen», die das Leben eines Christen, und deswegen die Sendung jedes Getauften, zusammenfassen.

In Gruppenarbeit haben wir darüber nachgedacht, wie unsere Sendung als Getaufte in der Kirche heute aussieht. Wo beobachten wir Neuanfänge, wie kann unsere junge Generation die in den vergangenen paar Jahren ansteigende Zahl von Neugetauften im Glauben unterstützen? Wie können wir dieser neuen Sinnessuche im Leben der Menschen gerecht werden?

Als Grundlage haben wir mit Gregor Emmenegger vor allem zwei Texte studiert: Die Didache als sehr frühe Taufunterweisung des 2. Jahrhunderts und eine der Taufkatechesen des Cyrill von Jerusalem († 386).
Auf dem Programm des Vertiefungswochenendes standen wie immer auch der Ausflug zur Kirche Sontga Gada sowie der Adoray-Gebetsabend.

Wir führen diese Wochenenden konsequent zweisprachig mit dem Ziel, das Kennenlernen von jungen Christen aus der Romandie und der Deutschschweiz zu fördern.

Die Vielfalt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war besonders wertvoll für spannenden Austausch: Dazu gehörten unter anderem Stefan Stoove, ein Schweizer, der in Neuseeland aufgewachsen ist und sich seit einem Jahr in der Schweiz niedergelassen hat; Kveta Kasmukova kommt aus der Slowakei und ist Doktorandin für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg; Jérémie Decker aus Vallorbe hat an der EPFL Chemie studiert und vervollständigt seine Doktorarbeit an der Universität Madrid. Er empfing im September die Taufe.

Das nächste Vertiefungswochenende wird vom 18. bis 20. September im Kloster Disentis stattfinden. Darin wird Schwester Justina Metzdorf aus dem Kloster Mariendonk, Professorin für Neues Testament an der Kölner Hochschule für katholische Theologie, die Seligpreisungen der Bergpredigt (Mt 5, 1-12) in den Auslegungen der Kirchenväter näherbringen.»

Online-Bibliothek der Kirchenväter: https://bkv.unifr.ch/de/works.

 

Sie möchten mehr aktuelle Informationen aus dem Kloster Disentis? Diese liefern wir Ihnen gerne einmal im Monat in Ihr Postfach – natürlich kostenlos. Hier können Sie e-DISENTIS bestellen, Termine, Nachrichten und Neuigkeiten aus dem Kloster Disentis, zum Hotel Kloster Disentis sowie zum Gymnasium & Internat Kloster Disentis und seinen Alumni.

Mehr Informationen zum Kloster Disentis finden Sie auch auf unseren Social-Media-Kanälen bei Instagram, Facebook und LinkedIn.

 Instagram Kloster DisentisFacebook Kloster DisentisLinkedin Kloster Disentis

Wir verwenden Cookies und Google Analytics, damit wir unsere Internetseite laufend verbessern und Sie bestmöglich mit Informationen versorgen können. Durch die weitere Nutzung der Internetseite erklären Sie sich mit der Verwendung der oben genannten Dienste einverstanden. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.